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Köln, Evang. Trinitatiskirche

Eine Orgel zieht um

Von Aachen nach Köln - die Klais-Orgel der Aachener Dreifaltigkeitskirche findet in der Kölner Trinitatiskirche ein neues Zuhause.

 

 

In der Regel wird eine Orgel für einen bestimmten Raum geplant, konstruiert und gestaltet. Dabei haben die Raumarchitektur, die Abmessungen des Orgelstandortes und die aktuell vorherrschenden künstlerischen Auffassungen stets Einfluss auf den Aufbau und die Gestaltung einer Orgel.

 

Der jeweilige musikalische Zeitgeist wirkt sich auf die Disposition und den Klangcharakter einer Orgel aus. Dabei spielt auch die individuelle Raumakustik eine große Rolle, in die sich die Orgel einfügen muss und die ihren Charakter mit prägt.

 

Bei einer fast neuen Orgel wie der Klais-Orgel von 1987 in der Aachener Dreifaltigkeitskirche ist es um so ungewöhnlicher, dass sie ihren Standort wechseln muss. Die Dreifaltigkeitskirche hat in den vergangenen Jahren ihre Gemeinde verloren. Und so kann der "Orgelbedarf" der Kölner Trinitatiskirche wohl als Glücksfall angesehen werden.

 

Der Raum bietet ideale Voraussetzungen, weil sich die Aachener Dreifaltigkeitsorgel klanglich und architektonisch sehr gut einfügt, und das Orgelwerk gut auf die vorhandene Empore passt.

 

Obwohl es prinzipiell möglich ist, eine Orgel gänzlich umzubauen und die Teilwerke neu anzuordnen, war es uns in diesem Fall wichtig, dass die Aachener Dreifaltigkeitsorgel an ihrem neuen Standort unverändert wieder aufgebaut werden konnte.

 

Es mussten allerdings einige Voraussetzungen zum Aufstellen der Orgel geschaffen werden. In Aachen standen Rückpositiv und Pedaltürme – den Vorbildern der Hamburger Schule folgend – in der Emporenbrüstung. In Köln wäre es schwierig gewesen, die vorhandene Emporenbrüstung hierfür aufzutrennen. Es erwies sich als vorteilhaft – auch aufgrund der Höhe des Kirchenraumes der Trinitatiskirche – Rückpositiv und Pedal auf die Emporenbrüstung aufzusetzen.

 

In Aachen stand die Orgel auf einem durch die Emporenkonstruktion vorgegebenen Stufenaufbau. Die größte Herausforderung bestand sicherlich darin, diesen Stufenaufbau auf der Empore der Trinitatiskirche nachzubilden, und gleichzeitig eine statisch tragfähige Unterkonstruktion zu erstellen, die auch die über die Emporenbrüstung hinausragenden Gewichte von Rückpositiv und Pedal auffangen konnte.

 

Neben diesen konstruktionsbedingten Anpassungen war aufgrund der unterschiedlichen Raumakustik eine klangliche Anpassung notwendig. Die Kölner Trinitatiskirche verfügt über eine hellere, stärker diskantbetonte Akustik als die Aachener Dreifaltigkeitskirche. Ohne das ursprüngliche Klangbild und den Charakter der Orgel zu sehr zu verändern, musste die Intonation der einzelnen Register an die veränderte Raumakustik angepasst werden, wobei insbesondere die hohen Frequenzen etwas zurückgenommen wurden.

 

Man wird und darf erkennen, dass die Orgel ursprünglich aus einer anderen Kirche stammt und nicht für diesen Raum entworfen und gebaut wurde. Man wird und darf auch bemerken, dass es sich im Hinblick auf Disposition und Klanggestaltung der Orgel um kein neues Instrument, sondern um ein "Kind seiner Zeit" handelt – die klanglichen Auffassungen haben sich auch in einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne von rund zwanzig Jahren doch spürbar gewandelt.

 

Wir sind dankbar und froh, dass dieses "Kind" unserer Werkstatt in der Kölner Trinitatiskirche eine schöne neue Heimat gefunden hat.

 

zur Disposition...

 

einige Bilder des Umzugs auf den nächsten Seiten...

 

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