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Übersicht

Nürnberg, St. Lorenz

Die Restaurierung der großen Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1937 in der St. Lorenzkirche zu Nürnberg

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Die Raumakustik im Chorraum

 

Zu Beginn der Planungen hatten wir bereits den Eindruck gewonnen, dass sich die Akustik des Chorraumes von der Akustik des Hauptschiffes absetzt. Im Chorraum scheint mehr Nachhall vorhanden zu sein. Das größere Raumvolumen durch die höheren Seitenschiffe verleiht diesem Teil des Kirchenraumes, dem liturgischen Zentrum der Kirche, eine musikalische Akustik.

 

Im Rahmen der grundsätzlichen Überlegungen zur Orgel erschien es daher sinnvoll, diesen exponierten Teil der Kirche auch in die musikalische Grundkonzeption mit einzubeziehen. In der Mehl'schen Konzeption von 1937 war die Chororgel auf vier Einzelsegmente verteilt, im Chorumgang über dem Hochaltar angeordnet. Sicherlich war es vorstellbar, diese Konzeption 1:1 zu rekonstruieren, zumal wir ausreichend Anhaltspunkte über die Windladengröße sowie wie über die Disposition dieses Instrumentes hatten.

 

Alternativ hierzu hatten wir jedoch erfahren, dass die Kirchengemeinde St. Lorenz Besitzer der 1863 als Opus 34 von G. F. Steinmeyer erbauten Orgel der Evangelischen-Lutherischen Stadtpfarrkirche Hersbruck war, ein zweimanualiges Werk mit 24 Registern.

 

Um die Steinmeyer'sche Gesamtkonzeption von 1937 zu vervollständigen, hielten wir es für eine mögliche Vorgehensweise, das Orgelwerk aus Hersbruck in die Konzeption einer Chororgel einzubeziehen. Als möglicher Orgelstandort fiel uns die emporenähnliche Plattform über dem Sakristeihaus im Chorraum auf. Wir hatten Herrn Ank während unseres Aufenthaltes in Nürnberg gebeten, von diesem Standort aus zu singen. Das klangliche Ergebnis dieser Probe war ausgezeichnet. Nicht nur der Chorraum allein wurde mit Klang erfüllt, eine gute Hörbarkeit, eine gute Raumwirkung erfolgte bis in den mittleren, ja sogar hinteren Bereich des Hauptschiffes. Dieser Standort wurde bereits von Johannes G. Mehl einmal angedacht, jedoch wieder verworfen:

 

"Ebenso war auch der andere Vorschlag: Die Chororgel auf der Galerie über der II. Sakristei aufzustellen, aus akustischen Gründen undurchführbar. Zudem befindet sich der letztere Platz an der Südwand des Chores und unter (eine eventuelle Orgel dann sogar teilweise vor) einem großen Südfenster, so daß nach Analogie vieler anderer Orgelwerke mit Sicherheit während des größten Teils des Jahres eine Verstimmung der hier eventuell stehenden Register gegenüber den anderen Orgelteilen zu erwarten gewesen wäre, die ein Zusammenspiel der verschiedenen Orgelwerke unmöglich gemacht hätte".

 

Während Johannes G. Mehl davon ausging, die Orgel gehäuselos und frei aufzustellen, wollten wir – nicht zuletzt auch aus klimatischen Gründen – die Orgel in ein Orgelgehäuse stellen.

 

Realisierung der dreiteiligen Orgelanlage

 

Wie bereits erläutert, strebten wir mit unserem Konzept an, die Restaurierung der Hauptorgel und die Überarbeitung der Schwalbennestorgel (Laurentiusorgel) in Verbindung zu setzen mit dem Bau einer Chororgel.

 

Zur Abrundung des klanglichen Gesamtkonzeptes, in Anlehnung an die Konzeption von 1937, erschien uns diese Vorgehensweise unverzichtbar. Der Chorraum, seitens seiner Geschichte und Ausstattung sicherlich einer der wichtigsten Bereiche des Kirchenraumes, sollte nicht musikalisch ausgeklammert werden.

 

Eine dreiteilige Orgelanlage ist für den Kirchenraum und die Akustik in Nürnberg, St. Lorenz notwendig, um den gesamten Kirchenraum mit Klang zu füllen. Durch Hörproben konnten wir feststellen, dass infolge der Beschaffenheit des Sandsteines die Hauptorgel im Westen alleine nicht den Kirchenraum mit Klang zu füllen vermochte. Erst, wenn auch die Laurentiusorgel mit leisen Begleitregistern angekoppelt wurde, fühlte man sich ansatzweise von Klang umgeben.

 

Allein mit einem Anheben der Hauptorgel in Anlehnung an das Konzeption von 1937 hätte sich keine Raum-Klang-Konzeption für Nürnberg, St. Lorenz entwickeln lassen. Dies war nur mit einer mehrteiligen Orgelanlage möglich. Diese Tatsache wurde in den 30er Jahren von Mehl erkannt und führte zu dem Konzept von 1937.

 

Die raumakustischen Bedingungen dieses faszinierenden Kirchenraumes forderten eine mehrteilige, aufeinander abgestimmte Orgelanlage, ein Gesamtkonzept für den Raum.

 

Parallel hierzu erschien es uns weder sinnvoll noch finanziell möglich, die Umsetzung des Gesamtkonzeptes aller drei Instrumente gleichzeitig durchzuführen, weshalb wir die Arbeiten in drei Teilbereiche einteilten, die möglichst eng aufeinanderfolgend, hintereinander und aufeinander bezogen realisiert werden sollten. Dadurch konnte ermöglicht werden, den einzelnen Teilorgeln ihre spezielle Aufgabe zuzuweisen und doch in große Gesamtanlage zu verschmelzen.

 

 

Weitere Seiten:

Konzeption der zeitlichen Abläufe

Restaurierungskonzept

Die Hauptorgel

Die Laurentiusorgel

Die Stephanusorgel

Fotos

Orgelweihe - Orgelbuch

 

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