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Übersicht

Nürnberg, St. Lorenz

Die Restaurierung der großen Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1937 in der St. Lorenzkirche zu Nürnberg

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Die Laurentiusorgel

 

Die Bedeutung der Laurentiusorgel innerhalb der dreiteiligen Orgelanlage darf – wie bereits erwähnt – nicht unterschätzt werden. Sie hat infolge ihrer Position als Schwalbennestorgel an der nördlichen Langhauswand die Funktion des Bindegliedes zwischen Hauptorgel im Westen und Chororgel im Osten.

 

Infolge der Kriegszerstörung war die ehemalige Laurentiusorgel von 1937 fast vollständig zerstört.

 

Die bisherige Laurentiusorgel wurde 1962 durch die Werkstatt Steinmeyer erbaut und in den Jahren 1974 und 1985 auf 40 Register erweitert. Bezüglich der Beschreibung der Orgelkonzeption möchten wir das Gutachten von Dr. Jürgen Eppelsheim vom 6. September 1972 zitieren:

 

"Die 1962 ganz neu erbaute Laurentiusorgel, ungefähr an gleicher Stelle wie ihre Vorgängerin, jedoch zweimanualig, höher angeordnet und, bei geringerer Breitenausdehnung, in drei Etagen übereinander gestaffelt (Pedal-Hauptwerk-Positiv, letzteres in die Gewölbezone reichend), ist weniger auf Kraftentfaltung als auf differenzierte Farbigkeit angelegt".

 

Im Laufe ihrer bewegten Geschichte seit dem Jahr 1961 war die Laurentiusorgel auf eine stattliche Größe von 40 Registern angewachsen. Das Orgelgehäuse war aber keineswegs für diese Registerzahl konzipiert. Im Innern der Orgel hatten sich hieraus zahlreiche Schwierigkeiten und Kompromisse ergeben. Diese führten zu einer nahezu unmöglichen Wartung, Pflege und Stimmung der Laurentiusorgel.

 

Die Erweiterungen der Orgel gingen auf eine Unzufriedenheit mit dem Instrument seit seiner Erbauung zurück. 1961 hatte man sich ganz bewußt gegen eine Rekonstruktion der Raum-Klang-Konzeption von 1937 zugunsten eines eher kammermusikalisch ausgerichteten, von der Hauptorgel losgelösten Instrumentes entschieden. Die Nachbesserungen, die dann in den folgenden Jahrzehnten erfolgten, konnten jedoch nicht zu einem ausreichenden Erfolg führen.

Aus unserer Sicht war es daher unvermeidlich, die Laurentiusorgel einer grundlegenden Neuorganisation zu unterziehen, was einen technischen Neubau mit neuem Pfeifenwerk bedeutete.

 

Versuche, die wir mit dem Pfeifenwerk der vorhandenen Laurentiusorgel vorgenommen hatten, ergaben, dass infolge der Ausrichtung des Instrumentes dünne Wandstärken für die Pfeifen gewählt wurden. Versuchte man nun, diese Pfeifen mit höherem Winddruck kräftiger zu intonieren, so stieß man sehr schnell an Grenzen. Es war also unmöglich, die Kernspaltenintonation durch Neuintonation mit erweiterten Intonationsparametern (höhere Winddrücke, höhere Aufschnitte, weitere Kernspalten, Kernstiche etc.) umzuintonieren.

 

Im Hinblick auf eine Restaurierung des unserer Meinung nach bedeutenden historischen Pfeifen- und Windladenbestandes der Hauptorgel, musste eine Wiederaufnahme der Mehl'schen Raum-Klang-Konzeption von 1937 angestrebt werden. Diesem Anspruch konnte die vorhandene Laurentiusorgel nicht gerecht werden.

 

Für eine Reorganisation der Laurentiusorgel gab es verschiedene Lösungswege. Im Hinblick auf ausreichend Platz auf den Windladen und einer der Raum-Klang-Konzeption entsprechende Mensurierung wollten wir jedoch die chromatische Pfeifenstellung auf Windladen und im Prospekt aufgeben. Beibehalten werden sollte aber die Grundkonzeption des Tragwerks der vorhandenen Orgel sowie die Seitenwände der vorhandenen Orgelkonstruktion im oberen Bereich. Die neue Konzeption baut somit seitens ihrer vertikalen Proportionen und seitens der Wiederverwendung des Tragwerkes auf die Grundstrukturen der vorhandenen Laurentiusorgel auf.

 

Im Sinne der Mehl'schen Raum-Klang-Konzeption wollten wir ein einmanualiges Instrument mit Pedal konzipieren. 1937 hat man hierfür den Weg beschritten, die Orgel weniger vertikal als vielmehr horizontal auszurichten. Infolge der 1961 angelegten Tragwerks- und Gehäusekonzeption, aber auch im Hinblick auf die historische Schwalbennestorgel an diesem Standort, sollte die vertikale Ausrichtung des Instrumentes beibehalten werden, was dazu führte, dass das Pfeifenwerk des einen Manuals auf drei Windladen, die vertikal übereinander gestaffelt sind, angeordnet werden musste: Obermanual, Hauptmanual/Pedal und Untermanual.

 

Das Pfeifenwerk des Pedals findet auf Ebene des Hauptmanuals auf durchschobener Windlade Aufstellung. Die großen, offenen Pedalpfeifen des Principal 16' sind in den Prospekt abgeführt.

 

Diese oben angeführte Aufteilung des Hauptmanuals auf drei Windladen (notwendig wegen der Beibehaltung der vertikalen Grundstruktur des Instrumentes) machte es möglich, das Instrument neben der im Vordergrund stehenden Funktion als Bindeglied in der Raum-Klang-Konzeption zwischen Hauptorgel und Chororgel auch als solistisch einsetzbares dreimanualiges, mechanisches Werk aufzufassen.

 

Im Hinblick auf diese Möglichkeiten ist das Instrument neben der Ansteuerung vom Hauptspieltisch der Westorgel sowie dem zentralen, fahrbaren Spieltisch auf Fußbodenniveau auch mechanisch über einen eigenen Spieltisch zu spielen, der sich unmittelbar im Unterbau des Instrumentes befindet und über die originalen Schwalbennestzugänge (die bisher auch zum Erreichen des Orgelinneren der vorhandenen Laurentiusorgel dienten) zu erreichen.

 

Wichtig war es uns, im Hinblick auf die Raum-Klang-Konzeption der Orgel insbesondere im 8'-Bereich die bereits in der Orgelkonzeption von 1937 vorhandene Schattierungspalette aufzugreifen. Mit Principal 8', Salicional 8', Viola 8', Rohrflöte 8', Bordun 8' und Gedackt 8' stehen hier Stimmen aus jeder Registerfamilie (Prinzipal, zwei unterschiedliche Streicher, halboffene und gedeckte Pfeifen sowie eine Flötenstimme) von Pianissimo bis Forte zur Verfügung.

 

Wie bereits beschrieben, gewinnt die Hauptorgel, wenn sie durch ein gedecktes 8'-Register der Laurentiusorgel ergänzt wird, deutlich an Klang im Raum. Bei der von uns ausgearbeiteten Konzeption kann hier mit Rohrflöte 8', Bordun 8' und Gedackt 8' stets die richtige Farbnuance gefunden werden. Auch im 4'-Bereich stehen mit Octave 4', Praestant 4', Spitzflöte 4' und Rohrflöte 4' grundlegende Klangfarben zur Verfügung.

 

Mensurierung und Intonation der Laurentiusorgel orientieren sich an der Ausrichtung des Instrumentes als Teil einer mehrteiligen Orgelkonzeption im Hinblick auf eine Realisierung der Mehl'schen Raum-Klang-Konzeption. Der Laurentiusorgel kommt in dieser Konzeption eine Schlüsselposition zu.

 

Gleichzeitig ist das Instrument aber auch in sich geschlossen konzipiert und intoniert, um auch solistische Aufgaben übernehmen zu können. Wir sehen hierin keineswegs einen Widerspruch. Mehl hat diese Aufgabe der Einzelinstrumente immer wieder im "Lorenzer Orgelbüchlein" deutlich zum Ausdruck gebracht.

 

Für die Reorganisation der Laurentiusorgel wurden mechanische Schleifwindladen aus Eichenholz gewählt. Während die Tonventile sowohl mechanisch als auch elektrisch angesteuert werden können, ist die Registertraktur rein elektrisch realisiert.

 

Es stand ausser Frage, daß sich die Stimmtonhöhe der Laurentiusorgel an der Hauptorgel orientieren muß.

 

 

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Die Stephanusorgel

Fotos

Orgelweihe - Orgelbuch

 

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