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Übersicht

Marburg, Elisabethkirche

Die Elisabethkirche zu Marburg gehört zu denjenigen Kirchenräumen, die jedem Kunst-Interessierten bekannt sind: Eine der wenigen deutschen gotischen Kathedralen, die in der Gotik begonnen und auch noch in dieser kunstgeschichtlichen Epoche fertig gestellt werden konnten. Ein Bauwerk mit einer sehr eindrucksvollen Raumstruktur und Stringenz, dessen Faszination man sich nicht entziehen kann.

 

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Die neue Orgel war am Standort des Vorgängerinstrumentes vorgesehen - angeordnet vor dem Meistermann-Fenster, jedoch aus akustischen Gründen leicht vorgezogen. Von Beginn an war es uns wichtig, eine selbständige zeitgenössische Orgelskulptur zu entwerfen, die nicht mit der faszinierenden Kirchenarchitektur in Konflikt gerät. Grundlage des gestalterischen Entwurfes des Instrumentes war die Übernahme des Farben- und Formenkanons des Meistermann'schen Westfensters. Die Thematik des Westfensters, die Ausgießung des Heiligen Geistes, sollte sich über die Orgel und die Orgelempore bis in den Fußbodenbereich des Kirchenraumes fortsetzen.

 

Die ursprüngliche Konzeption, den Orgelfuß bis auf den Kirchenfußboden hinunter zu ziehen, erwies sich aus Raumnutzungs-Gründen als nicht durchführbar: In intensiven Gesprächen wurde in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, darunter auch dem für die Orgelempore und die Windfanggestaltung zuständigen Architekturbüro Grundmann & Hein aus Hamburg, eine Lösung erarbeitet, die in der Aufnahme der Orgellinienführung bis in die Windfanggestaltung hinein diese Idee weiterhin abstrakt in sich trägt.

 

 

Das Thema des Meistermann-Fensters, die Ausgießung des Heiligen Geistes, findet seine Entsprechung in der farblichen Gestaltung der Orgel, die in einem eigenen Kapitel beschrieben ist. Die im Ursprungsentwurf dargestellte Himmelsleiter, auf der Jakob im Traum die Engel auf- und absteigen sah, ist noch heute deutlich ablesbar, wenn aus seitlicher Perspektive betrachtet, die große Linienführung der Ausgießung des Heiligen Geistes zu kleinen Treppen wird, die an die Himmelsleiter erinnern.

 

Dem asymmetrischen Aufbau des Gehäuseentwurfes liegt eine klare, außen ablesbare innere Struktur des Instrumentes zugrunde, die sich an den Grundprinzipien "klassischen Orgelbaus" orientiert: Das Instrument setzt sich aus zwei voreinander angeordneten Scheiben zusammen: In der vorderen Orgelscheibe finden die klassischen Manuale Hauptwerk und Positiv Anordnung, zentral im Mittelbereich der Orgel übereinander angeordnet in Verbindung mit dem Kleinpedal.

 

 

In der dahinter liegenden, vom vorderen Orgelteil losgelösten Orgelscheibe, findet das Großpedal sowie darüber zentral angeordnet das große Schwellwerk seine Aufstellung. Treppen im Innern der Orgel, die zwischen den beiden Orgelscheiben angeordnet sind, ermöglichen einen optimalen Zugang zu allen Teilen des Instrumentes für Wartung und Pflege. Im hinteren Teil der Empore, ausgelagert aus dem Orgelkörper, befindet sich die Lunge der Orgel in Form eines großen Doppelfalten-Magazinbalges, unter dem sich die Gebläsemaschine in einem schallisolierten Kasten befindet.

 

Klassischen Vorbildern folgend, ist das Instrument zur optimalen Präzision des Spielens mit einer einarmigen Traktur ausgestattet, welche es dem Organisten ermöglicht, jedes einzelne Ventil des Instrumentes ausdrucksvoll zu artikulieren.

 

Nach Auftragserteilung wurden zur detaillierten Abstimmung des Entwurfes für das Instrument detaillierte Ausführungszeichnungen von Klaus Flügel erarbeitet. Klaus Flügel ist seit nunmehr 32 Jahren Mitarbeiter der Werkstatt Klais. Die Detailzeichnungen vieler wichtiger Klais-Orgeln wurden von ihm erarbeitet, darunter die Detailkonstruktionspläne der Instrumente in der Propsteikirche zu Recklinghausen, der großen Kathedrale zu Reykjavik/Island, der Symphony Hall zu Birmingham, des Konzertsaales zu Madison, des International House of Music zu Moskau ebenso wie der Symphony Hall zu Singapur.

 

 

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