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Derzeit undatierbare Orgeln konnten Fischer und Wohnhaas in Birnbach I/4, Högldorf I/6, Obergraßlfing, Wahlsdorf I/8 und Regensburg, St. Klara I/12 nachweisen.
Johann Heinssen baute ausschließlich einmanualige Orgeln, sein Orgelbaustil kommt uns sehr konservativ vor, seine spätbarocken-klassizistischen Gehäuse zeigen laubsägeartige Rankenschleierbretter und nachbarocke Profile.
Die Götzendorfer Orgel ist wohl die am besten erhaltene Orgel von Heinssen: Bei ihr sind alle wesentlichen Bauelemente wie Pfeifenwerk, Mechanik, Windlade und Balganlage original erhalten.
Geschichte der Orgel
Auch ohne archivalische Studien ist die Baugeschichte der Orgel durch Inschriften am Gehäuse gut zu erschließen. So gibt es vom Erbauer der Orgel, Johann Heinssen in der Manualwindlade einen Zettel, der besagt:
“Diese Orgel ist gemacht worden im Jahr 1836 von Johann Heinssen, Bürger und Orgel= bauer in Regensburg“
Auch in einem Querriegel von einem der Bälger wurde aus dieser Zeit ein Memorium gefunden, mit dem sich ein Mitarbeiter vorstellte:
„Frühling sey die Zürthe deiner Tage und der Herbst deines Lebens an Früchten reich, an diesen herzlichen Wunsch erinnern dich wen du es ließ an den Orgelbauer Gesellen Wolfgang Mittau aus Schwabach den 13ten Februar 1836“
In der Folgezeit wurde die Orgel mehrfach repariert, so nach 30 Jahren, 1866, durch den Orgelbauer Josef Vogl, tätig zwischen 1860 und 1901 in Amberg, Deggendorf und Rosenheim. Als nächstes reparierte Benedikt Waller aus Amberg 1898 die Orgel. Waller war u.a. als Vertreter der Orgelbauwerkstatt Steinmeyer in Oettingen tätig. Eine weitere Reparatur und Reinigung führte vom 20. – 23. Sept. 1932 M. Wagner, Orgelbauer in Neumarkt i/Oberpfalz durch. Eine besonderes Schicksal wird aus der Inschrift des Orgelbauers Wilhelm Zweck deutlich, der vom 16. – 20 Oktober 1945 in Götzendorf die Orgel anläßlich einer Kirchenrenovierung reinigt, das Gebläse repariert und stimmt: „total fliegergeschädigt in Nürnberg am 2.II.1945, geboren 29.II 1876 2 Söhne im Feld verloren, Helfer-Organist Josef Ibler, Illschwang“. Die letzte Renovierung der Orgel wurde 1985 durch die Werkstatt WRK aus München ausgeführt.
Disposition:
Die Registernamen ohne Fußbezeichnung entsprechen den originalen Bezeichnung am Spieltisch:
Manual C, D, E, F, G, A – f3 (kurze Bassoctave)
Pedal C, D, E, F, G, A – a°, davon aber C – H chromatisch, kleine Oktave repetierend
Die Windladen gehören zum Originalbestand. Sie sind aus Eiche und Fichte (Schiede) gearbeitet, entsprechend süddeutscher Tradition. Die Ventile sind angeschwänzt. Die Mechanik war zuletzt an allen Achsstellen mit Silikon ausgespritzt worden. Dadurch war die Mechanik an vielen Stellen sehr zäh und unpräzise geworden. Auch die Manualklaviatur war stark ausgespielt und in weiten Bereich stark abgenutzt.
Etwas besonderes ist die originale Keilbalganlage auf dem Dachboden der Kirche, die von der Empore aus mit zwei Seilen zu bedienen ist. Die gesamte Balganlage war zuletzt in erheblichem Maße undicht. Beide Bälge wurden daher neu beledert, das Balghaus wieder vervollständigt.
Zusätzlich zu dieser historischen Balganlage wurde ein Schleudergebläse installiert. Der Motor sollte auf dem Dachboden bleiben, der aber neue, alternative Windversorgung betreibt. So kann die historische Balganlage uneingeschränkt benutzt werden, aber auch eine moderne Windversorgung.
Die Vorgaben von Winddruck und Tonhöhe wurden beibehalten, sodass ein Winddruck von 58 mmWS bei 435Hz bei 11°C festgelegt wurde. Als Temperierung wurde eine annähernd gleichstufige Stimmung vorgefunden, die ebenfalls beibehalten wurde.
Die Götzendorfer Orgel gehört zu den wenigen Orgeln aus der 1. Hälfte des 19 Jahrhunderts in Bayern, die in allen wesentlichen Bestandteilen erhalten ist. Dadurch kommt ihr eine ganz besondere Bedeutung zu. Hans-Wolfgang Theobald
Orgelbau Johannes Klais, Bonn restauriert 2006 Montageleitung: Thomas von Heymann Montage: Michael Pankratz Holzarbeiten: H. Willi Jerschabek Metallpfeifen: Jürgen Reuter Intonation: Frank Retterath Koordination: Dr. Hans-Wolfgang Theobald
Sachberatung: KMD Roland Weiß, Pegnitz Evang. Landeskirche in Bayern DO Martin Bernreuther Diözese Eichstätt Dr. Nikolaus Könner Landesamt für Denkmalpflege, München |
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