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Übersicht

Ochsenhausen, ehem.Klosterkirche - HO

Wege zur Gabler-Orgel 2000 – 2004

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2. Orgelarchäologie

 

Die Frage nach dem „warum“ vorhergehender Umbauten

Die Beschäftigung mit der Gabler-Orgel, die Vision einer Konzeption zur Restaurierung, besser zur Wiedergewinnung des Instruments, mußte auf vielen verschiedenen Ebenen vonstatten gehen: Unabdingbare Voraussetzung war die Erforschung des umfangreich vorhandenen Archivmaterials und die Auswertung der wenigen Fotos aus der Zeit vor 1968. Die exzeptionelle Orgel von 1734, die der Erbauer nach den Erfahrungen seines singulären opus magnum in Weingarten selbst veränderte, war die Vision eines Instrumentes: Architektonisch, technisch wie klanglich genial erdacht, aber ohne wirklich gereifte Erfahrung verwirklicht. Das Instrument blieb einzigartig in Größe und Komplexität der Anlage – und wohl auf vielfache Weise unverstanden. Dies, zusammen mit Verschleißerscheinungen, führte im 19. Jahrhundert dann fast zwangsläufig zu den verschiedenen Veränderungen, deren Umfang bis vor kurzem weitgehend unbekannt war. Die Renovierungsmaßnahmen von 1968 – 1972, so bedauerlich sie aus heutiger Sicht auch sein mögen, hatten wohl den nicht erfüllbaren Anspruch, die vielfachen technischen Probleme für alle Zeit mit modernen Materialien und Technologien zu lösen. Bei der Besichtigung des Inneren und beim Spiel der Orgel vermittelte diese dann vorwiegend den Eindruck einer modernen Orgel mit historischen Überresten. Die Sichtung des gesamten Materials und die Suche nach Erklärungen für Veränderungen ist vergleichbar mit dem Vorgehen von Archäologen, die Schicht für Schicht Vergrabenes aufdecken und Befunde verständlich machen. So konnten archivalische Hinweise an der Orgel selbst verifiziert und deren Ziel gedeutet werden: Erst durch die Archivalien werden etwa Kienes Umbaumaßnahmen verständlich. Er verlegte die Bälge vom nördlichen Dach des Seitenschiffes auf den Dachboden des Mittelschiffes. Nur wenn man weiß, dass zwischen Fassadenwand und Zwischenrisalit des Seitenschiffes ein bis in die Fensterzone reichendes Balghaus stand, von dem der Hauptkanal durch den unteren Teil des Fensters in das Orgelgehäuse führte, sind auch die bis heute sichtbaren Spuren zu deuten.

 

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