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Übersicht

Ochsenhausen, ehem.Klosterkirche - HO

Wege zur Gabler-Orgel 2000 – 2004

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4. Projektfindung

 

Vorgehensweise bei Vorarbeiten und Ausbau der Orgel

Der vorsichtige Ausbau des Instruments in mehreren Bauabschnitten hatte also zum Ziel, originale Befunde zu sichern und die Spuren der Veränderungsgeschichte zu dokumentieren. Alle Pfeifen der Orgel wurden beim Ausbau dokumentiert, genau bezeichnet und vermessen. So konnten wir anhand der charakteristischen Signaturen die Stellung auf den Laden von 1734 und 1755 rekonstruieren, ebenso Veränderungen durch Schultes (um 1835), Kiene (1844), Weigle (1871) oder Reiser (1972). Diese Umbauten wurden durch umsignierte Pfeifen Gablers wie durch eigene neue Pfeifen greifbar. Wichtig war bei dieser Suche neben der Dokumentation der Veränderung auch die Frage nach dem Vorzustand bis zu Gablers Umbau von 1751 – 1755 der seine Orgel von 1734 technisch wie klanglich veränderte.

 

 

Spieltisch

Die Ausgangssituation beim Spieltisch war der komplett erneuerte innere Aufbau. Erhalten geblieben sind drei Klaviaturen, die im Wesentlichen im frühen 19. Jahrhundert beim Umbau der viermanualigen Anlage auf drei Manuale verändert wurden. 46 der 54 Registerzüge sind – verstreut – erhalten geblieben, ein Großteil davon mit originalen

 Rötelbezeichnungen Gablers, was in Verbindung mit den Registerschildern aus Elfenbein die Disposition von 1755 zweifelsfrei rekonstruierbar machte. 

Die Rückführung der Klaviaturen auf den zweiarmigen Bauzustand von 1755 – der auch anhand der Klaviaturen von Weingarten verifizierbar war – und die

Rekonstruktion der obersten, vierten Klaviatur sowie die Zuordnung in die originalen Klaviaturwangen waren beweisbarer, als der Bauzustand des 19. Jahrhunderts, da alle Koppeln fehlten. Die Elfenitbeläge der Klaviaturen von 1939 ersetzten wir durch die Elfenbeinbeläge der Klaviaturen von 1972, welche damit Weiterverwendung fanden.

Die Registerzüge zeigten eine bewundernswerte Ordnung: Die Staffeleien waren sowohl waagerecht den einzelnen Werken zugeordnet, als auch senkrecht nach Registergruppen – etwa alle QuintaTön, Octav, Mixtur, Principal oder die Zungen. Namensänderungen konnten so ebenfalls erkannt werden. Die Veränderungen der Staffeleien im Laufe der Zeit sind aus Tabelle I zu ersehen.

 

Windladen

Die Kanzellenkörper aller Windladen sind erhalten geblieben. Gabler hatte die auffallend engen Kanzellenquerschnitte durch Leitschiede abgetrennt, um Windabfall und daraus resultierende Verstimmungen zu minimieren. Die Windkästen waren erneuert, wir rekonstruierten sie nach ablesbaren Abdrücken auf der Unterseite. Die Bauform der Ventile war anhand weniger Originalventile auf alle anderen übertragbar.

Bei Solo und Hauptmanual waren neben den Stöcken auch die Rasterbänkchen von 1734 bzw. 1755 erhalten. Wir haben sie wieder zurückgeführt und auf Grund ihres fragilen Zustandes durch unterstützende neue Raster ergänzt. Bei den Pedalladen blieb die Veränderung Kienes teilweise erhalten: Die Prospektladen von 1844 für den Praestant 16’ wurden mit der dazugehörenden Mechanik restauriert. Die 8’-Laden Gablers hatte Kiene gedreht, um den Zugang zu erleichtern. Dies haben wir rückgängig gemacht.

Auch die Erweiterung der 16’-Lade um das dritte Register Trompet 8’ wurde zurückgeführt und auf die beiden Register Subbass 16’ und Posaune 16’ eingerichtet. Die Erweiterung des Klaviaturumfanges beim Pedal sollte als gewachsene Erweiterung respektiert werden. Die dafür nötige Zusatzlade bauten wir tiefliegend unter dem Westfenster mit vorhandenen Pfeifen von 1972 ein.

 

Mechanik

Von der Spieltraktur Gablers ist kein Teil eingebaut erhalten geblieben. Sichtbar blieb allerdings die Lage der Wellenbrettführung zu den Windladen des Hauptwerks. Auch die Lage der Wellenbretter zum Echo und Brustpositiv wurde durch charakteristische Nagelspuren deutlich. Bei der Rekonstruktion folgten wir in der Materialauswahl dem Original. Die Registertraktur war zum Teil noch durch geschmiedete Eisenwellen in situ sowie durch eine Vielzahl ausgebauter Teile belegt. Wie haben diese so zugeordnet, dass sie – wenn auch nicht im Detail belegbar – wieder in Funktion sind. Die große Anzahl von Schubstangen wurde ebenfalls zugeordnet.

 

Gebläse

Das Gebläse der Orgel wurde mehrfach verändert. Spätestens 1755 war es im Dachstuhl des nördlichen Seitenschiffes untergebracht. Die Dachkammer war dazu erhöht ausgebaut, die Wände verputzt, für sechs Bälge eingerichtet, welche 12’ 6’’ lang und 4’ 1’’ breit (ca. 3500 mm x 1170 mm) waren. Diese Bälge wurden 1844 in den Dachstuhl des Hauptschiffes verlegt. 1895 wurden sie dann durch ein großes Magazingebläse ersetzt, das frei hinter dem Spieltisch aufgestellt wurde. Beim Umbau nach 1939 wanderte dieser Balg ins nördliche Seitenschiff, wo er, wie zuletzt,funktionslos stand.

Die Situation Gablers ist nicht mehr gegeben und kann auch nicht wieder hergestellt werden. Eine jüngere Bauphase ist nicht erhalten geblieben. Daher entschieden wir uns für neue Keilbälge im historischen Balghaus Gablers, die jedoch an die derzeitige Raumsituation angepasst sind: Keilbälge also mit verkleinerter Balggröße, reduziert auf fünf Bälge, unter Nutzung des Mauerdurchbruchs von 1939.

 

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