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Ochsenhausen, ehem.Klosterkirche - HO

Wege zur Gabler-Orgel 2000 – 2004

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Pfeifenwerk

Das Pfeifenmaterial Gablers wurde – auch aus heutiger Sicht – in allen Bauphasen respektvoll behandelt. Trotz Beschädigungen, Verstellungen und nicht immer sachgerechter Reparaturen sind 2457 Pfeifen Gablers erhalten geblieben. Insgesamt beinhaltet das Werk heute3174 Pfeifen.

Das Sortieren der Pfeifen hatte zur Aufgabe, offensichtliche Verstellungen zu dokumentieren. In Verbindung mit den Erkenntnissen aus den erhaltenen Stöcken und Rasterbrettchen war es uns dann möglich, die ursprüngliche Besetzung und Zusammensetzung der Mixturen nachzuweisen und teilweise auch zurückzuführen. Die Restaurierung der Pfeifen selbst hatte die Sicherung des Bestandes zum Ziel. Frühere Eingriffe sollten ablesbar bleiben, wenn keine technischen Gründe dagegen sprachen. So bleibt die „Patina der Geschichte“ erhalten.

 

 

Disposition von 2004 – ein gewachsenes Ergebnis

Die Disposition des Instrumentes von 1734 ist nicht mehr zweifelsfrei zu rekonstruieren, auch wenn ein Großteil der Orgel nach dem 1755 abgeschlossenen Umbau erhalten geblieben ist. Vor allem die Disposition, die vor der Reduzierung der Anzahl durchlaufender Register von zwölf auf neun Schleifen vorhanden war, ist nicht mehr zweifelsfrei zu klären.

Bei Solo, Brustpositiv und Pedal gibt es weitgehende Übereinstimmung zwischen dem Vertrag vom 21. Januar 1751 und der tatsächlich ausgeführten Disposition. Lediglich das Echowerk führte neun Register auf, während heute zehn Register besetzt sind. Die Umdisponierung auf dieser Lade – die zweite gemischte Stimme zugunsten einer Flöte 4’ – blieb respektiert. Letztlich kann die Disposition von 1755 leichter nachvollzogen werden, als die Änderungen danach. Dennoch respektierten wir diese, wenn sie in der Substanz erhalten geblieben waren.

Die Disposition der Orgel nach der Restaurierung entsprechend der Übersicht in Tabelle II ist demnach nicht die kompromisslose Wiederherstellung eines bestimmten historischen Zustandes, sondern muß, wie Tabelle III im Detail zeigt, als Resultat einer Genese verstanden werden.

 

Gehäuse

Die Anlage Gablers in der Fassung von 1734 dürfte als Konstruktion in der Konche mit sichtbarem Westfenster und Brustpositiv kompliziert gewesen sein. Die innere Struktur war dennoch klar auf die vorhandene Vorderwand des Untergehäuses ausgerichtet. Ein Holzgerüst, das gleichzeitig als Windladenlager diente, steifte dasgesamte Gehäuse zur Kirchenwand hin aus. Dieses Gerüst blieb erhalten bis zum Umbau von 1968 – 1972, als man die Lagerung der Orgel durch ein neues Gerüst aus Formstahl ersetzte, welches jedoch die statische Funktion nicht dauerhaft auszufüllen vermochte: Gehäuseabsenkungen waren die Folge. Das innere Tragegerüst rekonstruierten wir in den ablesbaren Querschnitten und schlossen Fehlstellen, die aus früheren Umbauten resultieren. Die zuletzt offen unter dem Westfenster stehenden Windladen von Echo und Zusatzpedal wurden unter das wieder geschlossene Podium hinter dem freistehenden Spieltisch eingebaut. Das Westfenster haben wir im unteren Bereich wieder geöffnet. Die ursprüngliche Emporensituation von 1755 stellten wir durch Rückbau des 1972 notwendig gewordenen Holzpodestes wieder her.

 

Bleibende Elemente früherer Restaurierungen

Was blieb von Schultes (1835), von Kiene (1844), von Weigle (1871), von Goll (1895), von Walcker (1939) und von Reiser (1972)? Die Grundstruktur der Orgel blieb nach Gablers Umbau von 1755 bis zur letzten, 1972 abgeschlossenen Baumaßnahme trotz allem erkennbar. Selbst im Ergebnis von 1972 blieb die Orgel Gablers insgesamt deutlicher erkennbar als die Zwischenstufen. Von Schultes (oder von jemandem vor ihm?) stammte vermutlich der Umbau des Spieltisches von der vier- auf die dreimanualige Anlage. Diese Anlage war verloren mit Ausnahme der umgebauten Klaviaturen, bei denen allerdings auch das Original von 1755 erkennbar war. Die Spieltischanlage wurde daher insgesamt auf den Zustand von 1755 zurückgeführt. Kienes Veränderungen an der Balganlage sind nicht mehr vorhanden, erhalten geblieben ist hingegen sein Prospektladen für Praestant 16’ mit Teilen der dazugehörenden Mechanik. Die Verdrehung der Pedal-8’ Laden haben wir zurückgeführt. Weigle ersetzte die zum Kronprospekt abgeführten Pfeifen durch solche, die auf der Lade standen. Diese Substanz gaben wir zu Gunsten der Situation von 1734 auf. Der Umbau von 1895 durch Goll zielte auf die neue Magazinbalganlage, die funktionslos erhalten geblieben ist. Seine Barkermaschine für die zusammengeführten Laden von Solo und Hauptmanual haben wir nicht mehr eingebaut. Der Umbau Walckers zielte auf die Verlegung der Balganlage ins Seitenschiff. Das neue Gebläse verwendet die dafür in dieWand geschlagenen Kanäle. Der erweiterte Pedalumfang geht auf die Baumaßnahme von 1939 zurück. Die 1972 geschaffene Situation war wohl der umfassendste Umbau der Orgel in ihrer Geschichte. Auch aus dieser Bauphase blieben Teile erhalten – etwa die Pfeifen der Pedalerweiterung oder die Vox humana 8’ des Rückpositivs. Jede Restaurierung einer Orgel ist Teil der Weitergabe eines historischen Musikinstruments an die nächsten Generationen. Aufgabe der Restauratoren ist, den Verfall eines Denkmals aufzuhalten und die Begegnung mit Kulturgut vergangener Zeit auch in Zukunft zu ermöglichen. Die Geschichte der Gabler-Orgel, ihrer Veränderung wie Erhaltung Teil ihrer Identität, bis hin zu der jetzt abgeschlossenen Arbeit. Diese dokumentiert unsere Zeit und unser Erkennen und ist nun selbst Teil der Geschichte geworden.

 

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