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Fulda, Stadtkirche St. Blasius

Jede Orgel wird als technisches und klangliches Unikat von ihrem Erbauer geschaffen. Selten jedoch bleibt ein Instrument auf lange Sicht unverändert. So auch das Instrument in der Stadtpfarrkirche, das seit seiner „Erschaffung“ mehrfach verändert wurde.

 

 

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Das technische Konzept der Orgel hatte zum Ziel, neben der großen Balganlage von 1900 auch die aus derselben Zeit erhaltenen pneumatischen Kegelladen in der Orgel zu belassen, zurück geführt auf den technischen Stand der Erbauungszeit. Diese drei Windladen wurden ergänzt durch neue Laden, die dieser pneumatisch gesteuerten Technik entsprechen, jetzt aber in das Gehäuse von 1837 eingepasst sind.

 

Die drei restaurierten Kegelladen Eggerts blieben dem Pedal - diese Windlade war mit wenigen Ausnahmen unverändert und wurde jetzt hinter dem Gehäuse frei aufgestellt - beziehungsweise dem Schwellwerk zugeordnet. Die beiden Schwellwerksladen entstammen den zuletzt 'Nebenwerk' und 'Hauptwerk' (4’-Lade) genannten Werken. Sie wurden zusammengeschaltet und „auf Sturz“ in das große Schwellwerksgehäuse gestellt, wo die Register neu aufgepasst wurden. Es gibt nur wenige erhaltene Laden dieser Ausmaße: allein die Kanzellen der Pedallade sind ca. 4.800 mm lang!

 

Die Kegellade ist ein historisches Faktum, für das man sich zwischen etwa 1845 und 1950 bewusst und für lange Zeit entschieden hatte. Über den Sinn der Kegellade kann diskutiert werden - deren unstrittiger Vorteil bleibt jedoch die gute und direkte Windversorgung jeder einzelnen Pfeife. Dies wurde besonders für die oft sehr großen Instrumente des späten 19. Jahrhunderts besonders geschätzt, die dementsprechend eine ganz eigene Charakteristik entfalten konnten und zu spätromantischer Musik inspirierten. Auch jetzt war dies der Grund, bei diesem Registerkanzellensystem zu bleiben und nicht, was denkbar gewesen wäre, die Orgel auf Schleifladen umzustellen.

 

Die pneumatische Tonsteuerung ist heute für den Spieler oft sehr ungünstig, vor allem bei weit verzweigten Instrumenten: durch die Entfernung zwischen Taste und Kegelventil entsteht bei der Tonerzeugung eine zeitliche Verzögerung. Um dies zu verbessern, ist für uns die Kombination aus mechanischer Traktur, die bis nahe unter die Windladen verlegt ist, und einer nun kurzen pneumatischen Ansteuerung der Relais eine sehr elegante Möglichkeit, die Vorteile der Mechanik mit dem klanglichen Reiz der pneumatischen Ladentechnik zu kombinieren.

 

Das Ergebnis ist eine sensible und leichte Tontraktur. Die Registertraktur, wie bei Eggert ein pneumatisches Auslass-System, wird durch die Registerzüge im Spieltisch betätigt. Diese werden jetzt durch eine Setzerkombination unterstützt. Das Spielen der Orgel könnte mit gepumptem Wind völlig ohne elektrischen Strom auskommen.

 

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