Übersicht

Waldbreitbach, Maria Himmelfahrt

Restaurierung der Klais-Orgel von 1896  

 

Waldbreitbacher Orgelgeschichte

Die Weil-Orgel von 1811

Die ersten Nachrichten über eine Orgel in der alten Waldbreitbacher Pfarrkirche sind im Jahr 1810 zu finden. Die ärmliche, mit weltlichen Gütern nicht gerade üppig ausgestattete Kirchengemeinde mit ihren Sendschöffen des Kirchspiels beschloss unter der Leitung des als musikfreudig beschriebenen Pfarrers Kaspar Oberhäuser, eine Orgel zu bauen. Am 26. Juni 1810 hatte die Gemeinde ein Hofgut in Gerhardshahn bei Neustadt für 1.560 Reichsthaler versteigert. Von diesem Erlös entfielen 790 Reichsthaler auf die neue Orgel, 500 Reichsthaler wurden langfristig für die Löhnung des künftigen Organisten zurückgelegt, der 45 Reichsthaler im Jahr bekommen sollte.

 

Bereits vierzehn Tage später, am 15. Juli 1810 wurde von Pfarrer Oberhäuser, Amtmann Reinhard und sämtlichen Sendschöffen mit dem Neuwieder Orgelbauer Christian Weil ein Vertrag über einen Orgelneubau abgeschlossen. Die neue Orgel sollte elf Register erhalten (gebaut wurden jedoch zwölf Register!). Dieser finanziell gewagte Schritt, die Orgel kostete immerhin 1100 Gulden, stieß jedoch nicht auf Gegenliebe bei der kirchlichen Verwaltung in Trier. Noch acht Jahre später beklagte sich Generalvikar Hommer in einem Brief über diese Maßnahme: „Ich denke immer mit wahrem Bedauern an die finanzielle Lage. Man habe damals die Orgel mit großen Kosten verbauet und dem Organisten jährlich ein Gehalt von 45 Thalern ausgeworfen. Wenn man so mit dem Kirchenvermögen umgeht, ist es nicht zu vermeiden, wenn nichts übrig ist...“

 

Über das Datum der Fertigstellung gibt es widersprüchliche Angaben. Im Archiv der Verbandsgemeinde heißt es: „Zu künftiges Johanni 1811 soll die Orgel brauchbar in der Kirche stehen.“ Andere Quellen sprechen von 1813.

 

Die Weil-Orgel hatte folgende Disposition:

 

Manual
Viola di Gamba 8’ Bass aus Holz, Discant von Metall
Bourdon 8’
Hohlflöte 8’
Prinzipal 4’ Englisches Zinn
Flöte 4’ Holz, offen
Gedackt 4’ Holz
Octav 2’ Metall
Quint 1 1/2’ Metall
Mixtur 3f 1’ Metall
Trompete 8’ Metall
Pedal
Subbass 16’ Holz
Prinzipalbass 8’ Holz
Koppel
Tremulant

 

Die Manualtasten waren mit Elfenbein und Ebenholz belegt, das Gehäuse aus „schönem“ Eichenholz orientierte sich am Modell der Heddesdorfer Orgel.

 


 

 

Versetzen der Weil-Orgel

1831 wurde eine umfangreiche „Haupt-Reparatur“ der Pfarrkirche notwendig. Die Weil-Orgel wurde im Zuge dieser Maßnahme auf eine Empore neben der Sakristei versetzt. Dabei achtete man darauf, dass das Instrument keinen Schaden leidet. In Punkt 10 der Verwaltungsvereinbarung mit dem Maurer Hofmann aus Niederbreitbach heißt es: „Der Unternehmer hat die Orgel nicht alleine zu versetzen, sondern auch wieder in gehörigem und guten Stand hinzustellen, wofür ihm keine weitere Vergütung als die Contractvergütung gereicht wird“. Im Zuge der Bauarbeiten hatte der Unternehmer gleichfalls den Auftrag, in der alten damaligen Kirche auch „die neue Orgelbühne zu bauen.“ Im Archiv der Orgelbaufirma Schlaad aus Waldlaubersheim bei Bingen findet sich die Notiz, dass 1831 die Orgel in Waldbreitbach für 400 Thaler durch den Orgelbauer Schlaad repariert und versetzt wurde. Zudem ist aus dem Werksvertrag zu entnehmen, dass vermutlich ein neuer Altar errichtet wurde, denn es heißt unter Punkt 2 u.a.: „Unternehmer hat ebenfalls noch in diesem Jahr die neue Orgelbühne zu bauen und die Orgel zu versetzen und den neuen Altar, wozu der in der Pfarrkirche zu stellende Hochaltar der Form wegen als Muster angeben wird, hinzustellen.“

Der Kostenaufwand für die Hauptreparatur der alten Kirche belief sich auf 906 Thaler. Begonnen wurde mit der Renovierung im Herbst 1831, die Arbeiten konnten nach einem Bericht von Pastor Heinrich Scheffer im September 1832 abgeschlossen werden.

 

Umbau der Weil-Orgel

Zwanzig Jahre später regten sich Stimmen, die Orgel zu verändern. Am 23. Mai 1852 schlug der Orgelbauer Weil einen Umbau mit folgender Disposition und der Erweiterung auf zwei Manuale vor:

 

Hauptwerk
Flöte 8’
Prinzipal 4’
Quint

3’

Oktave 2’
Mixtur 3f 1 3/4’
Trompete (Bass/Diskant) 8’
Oberwerk
Hohlflöte 8’
Viola di Gamba 8’
Gedackt 4’
Pedal
Subbass 16’
Prinzipalbass 8’

 

 

Ein zweites Angebot wurde vom Orgelbauer Schlaad am 27. November 1854 eingereicht. Dieser bot ein neues Instrument mit Verwendung der alten Register an.

 

Manual
Gedackt (Diskant) 16’ Umarbeitung aus dem Bourdon
Flöte 8’
Viola di Gamba 8’
Prinzipal 4’ neu
Gedackt 4’
Quinte

3’

Octave 2’ neu
Mixtur 1 3/4’ neu
Trompete (Bass/Diskant) 8’ neu
Pedal
Subbass 16’
Prinzipalbass 16’

 

 

Die Pfarrgemeinde entschied sich für die kostengünstigere Lösung und schloss am 30. November 1854 mit dem Orgelbauer Schlaad einen Vertrag. Die Kosten beliefen sich auf 300 Reichsthaler. Genehmigt wurde dieser Vertrag am 23. November 1855 vom Trierer Generalvikariat.

 


 

 

Was verdienten Organist, Chorsänger und Kalkant?

Im Protokoll über den Zustand der Pfarrei wird 1867 als jährliches Salär für den Organisten 27 Taler angegeben, der Kalkant (Blasebalgtreter) bekam 3 Taler, die Chorsänger 6 Taler.
1884 betrug das jährliche Gehalt für den Organisten 106 Taler, für den Kalkanten 34 Taler, für die Chorsänger 18 Taler.


In einem Dokument vom 16. März 1900 wurden folgende Zahlen genannt:
Gehalt für den Organisten 232 Taler, für den Kalkanten 42 Taler, für die Chorsänger 18 Taler.
In diesen dreiunddreißig Jahren hatte sich das Gehalt der Chorsänger um das Dreifache gesteigert, das für den Organisten fast um das Neunfache, für den Kalkanten jedoch um das Vierzehnfache!

 

Eine neue Kirche wird gebaut

Schon 1767 war die alte Waldbreitbacher Pfarrkirche als zu eng bezeichnet worden, um die vielen Gläubigen aufzunehmen. Aber es sollte noch über einhundert Jahre dauern, bis die heutige Pfarrkirche gebaut werden konnte. Die langwierigen Verhandlungen und der juristische Streit um die Baupflicht konnten erst mit Zahlung von 22.000 Talern durch den Fürsten von Wied abgeschlossen werden. Unter Pfarrer Heinrich Jakob Hermes wurde am 7. Januar 1877 der Grundstein gelegt, zwei Jahre später war die Kirche in ihrer heutigen äußeren Form, unter Beibehaltung des alten Turmes aus dem 12. Jahrhundert vollendet. 

 

In einer Inventarliste vom 25. Juni 1863 steht beim Stichwort „Mobiliar“: Orgel, im Jahr 1813 für 1100 Gulden aufgestellt. Welche Orgel in der neu erbauten Kirche stand, läßt sich leider nicht feststellen. Vermutlich wurde die Orgel aus der alten Kirche abgetragen und in der neuen aufgestellt. Unwahrscheinlich ist, dass die Pfarrgemeinde, deren Gesänge ja immerhin schon seit vielen Jahrzehnten von einer Orgel begleitet wurden, lange Zeit ohne die gewohnten Klänge auskam. Der Waldbreitbacher Mühlenbesitzer Peter Nassen dirigierte von 1876 bis 1895 den Kirchenchor. Es ist anzunehmen, dass er auch das Amt des Organisten innehatte.

 

Eine neue Orgel wird gebaut

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts mehrten sich jedoch die Wünsche nach einer angemessenen Orgel, so dass die Pfarrgemeinde mit ihrem Pfarrer Georg Baulig am 4. November 1893 mit der Orgelbaufirma Klais aus Bonn einen Vertrag über eine neue Orgel zum Preis von 7.450 Mark schloss. Die neue Orgel sollte bis zum 1. August 1896 fertig gestellt sein.

 

Die schon damals renommierte Orgelbaufirma aus Bonn war 1882 von Johannes Klais gegründet worden und hatte sich schnell einen hervorragenden Ruf erworben. Der Dispositionsvorschlag für eine zweimanualige Orgel mit zwanzig Registern vom Oktober 1895 lautete:

 

Hauptwerk (C-f3)
Bourdon 16’ die drei tiefen Oktaven aus Holz,

Fortsetzung von 10lötigem Zinn

dunkler, voller Grundton

Prinzipal 8’ von 12 und 14lötigem Zinn

starker, markiger, voller Ton

Gamba 8’ von 12lötigem Zinn

mit Bärten; starker, streichender Ton

Hohlflöte 8’ tiefe Oktave Holz, 
Fortsetzung von 12lötigem Zinn
Gemshorn 8’ die unterste Oktave aus Holz,

Fortsetzung aus 12lötigem Zinn

streichender Flötenton, zart

Oktave 4’ von 14 und 12lötigem Zinn
Violine 4’ von 12lötigem Zinn

zart und scharf streichend

Mixtur-Cornett 3-4f 4’ von 12lötigem Zinn (4’, 2 2/3’, 2’, 1 3/5’)

glänzender Ton

Superoctave 2’ von 12lötigem Zinn

im Ton frisch

Trompete 8’ aufschlagend, Schallbecher von 10lötigem

Zinn, Köpfe aus Hartmetall,

Kehlen und Stimmkrücken aus Messing,

Zungen von Phosphorbronze

Unterwerk (C-f3)
Geigenprinzipal 16’ tiefe Oktave aus Holz,

Fortsetzung in 12lötigem Zinn

Salicional 8’ tiefe Oktave aus Holz,

Fortsetzung in 12lötigem Zinn

Lieblich Gedackt 8’ die zwei tiefen Oktaven aus Holz,

Fortführung in 10lötigem Zinn

lieblich voller und runder Flötenton

Dolce 8’ die 9 tiefsten Töne aus Holz,

Fortführung in 12lötigem Zinn

zart mit etwas Strich

Vox coelestis 8’ von 12lötigem Zinn,

zart streichend

Flaut travers 4’ die drei tiefen Oktaven Holz,

Fortführung überblasend in 12lötigem Zinn

Pedal (C-d1)
Subbass 16’ Holz

sehr voller und dunkler Grundton

Oktavbass 8’ Holz,

starker, voller Prinzipalton

Violoncello 8’ tiefe Oktave von Holz, 

Fortsetzung 12lötiges Zinn

mittelstark streichend

Tuba  16’ durchschlagend, Schallbecher aus Holz,

Rahmen und Stimmkrücken aus Messing,

Zungen von Phosphorbronze

voll und rund, hornartig

Manualkoppel II / I
Pedalkoppen I / P

Feste Kombinationen:

Tutti, Forte, Piano

 

Das Gehäuse an der Frontseite soll aus Eichenholz gefertigt werden, an den Seiten, der Rückseite und für die Dekoration etc. wird Tannenholz verwendet.

 

Der Belag der Untertasten ist aus weißem Knochen, der Belag der Obertasten aus Ebenholz. Die Pedaltasten sind aus Eiche.

 

Die Orgel ist gestimmt auf 435 Hz bei 15o.

 

Trotz des bereits beschlossenen Vertrages schlug das Generalvikariat Trier in einem Brief vom 14. November 1895 an die Orgelbaufirma Klais folgende Änderungen vor:

- Wegfall der Vox coelestis

- bei Geigenprinzipal, Salicional und Dolce soll jeweils die unterste Oktave aus Zink statt aus Holz gebaut werden

- bei Violoncello 8’ soll die tiefste Oktave aus Zink statt aus Holz gebaut werden

 

Mit diesen Änderungen wurde die Orgel dann gebaut. Der geplante Termin der Fertigstellung am 1. August 1896 konnte jedoch nicht gehalten werden.

Am Christkönigstag, den 22. November 1896 wurde die Klais-Orgel dann feierlich eingeweiht.

In seinem Gutachten vom 26. November 1896 schrieb der Orgelsachverständige P. Johannes Blessing OSB aus Maria Laach folgendes:

„Am 19. November 1896 wurde vom Unterzeichneten die Abnahme der vom Orgelbaumeister J. Klais in Bonn neu aufgestellten Orgel vorgenommen. Sie zählt im Ganzen neunzehn klingende Stimmen auf zwei Manuale und Pedal verteilt und außerdem fünf Kombinationszüge. Die volle Orgel lässt nichts zu wünschen übrig. Die einzelnen Stimmen verdienen uneingeschränktes Lob.

Das Orgelgehäuse ist aus gutem Eichenholz hergestellt. Es präsentiert sich in seinen passend gewählten Maßverhältnissen und in seinem würdig gehaltenem romanischen Stil außerordentlich schön. Ihr Gebläse, das sich seitwärts befindet, ist durch einen Gang von der Orgel getrennt. Die Gemeinde muss sich glücklich schätzen, in den Besitz eines so wertvollen und gut gelungenen Kunstwerkes gelangt zu sein.“ 

 

In einer „Generalquittung“ vom 27. Januar 1899 an Pfarrer Georg Baulig bestätigte Johannes Klais, dass die gesamte Summe von 7.450 Mark nun bezahlt ist. Die gesamte Bausumme war durch freiwillige Spenden aus der Gemeinde aufgebracht worden.

 

 

Die Prospektpfeifen werden beschlagnahmt

Im ersten Weltkrieg blieb auch unsere Orgel von der sogenannten „Zinnspende“ nicht verschont. In einem Brief vom 17. Februar 1917 wurde vom Bürgermeisteramt Neuerburg folgendes angeordnet: „Die Prospektpfeifen aus Zinn von Orgeln werden beschlagnahmt und enteignet. Andere Zinnpfeifen von Orgeln können freiwillig abgeben werden. Alle diese Pfeifen werden Eigentum des Reichsmilitärdienstes. Die Zinnprospektpfeifen sind aus der Orgel zu entfernen und in der Zeit vom heutigen Tage bis zum 31. Juli 1917 abzuliefern.“

Schon bald nach Ende des ersten Weltkrieges bemühte sich die Pfarrgemeinde, die Orgel wieder zu vervollständigen. Am 8. September 1919 schrieb der Orgelbauer Klais an Pfarrer Lux: „Der neue Prospekt ist fertig, konnte aber infolge der Eisenbahnsperre bisher nicht zum Versand gelangen.“

 

Schwere Beschädigungen der Kirche im Zweiten Weltkrieg

Der Beschuss der Waldbreitbacher Pfarrkirche am Ende des zweiten Weltkrieges ließ die Decken von Chor- und Seitenschiffen einstürzen, alle Gewölbe bekamen Risse, der Turm verlor seine Bedachung und alle Fenster wurden zerstört. Durch die heruntergefallenen Steine wurden viele Pfeifen der Orgel stark beschädigt. Die Orgel hatte ja kein Dach, somit konnten die Gewölbeteile direkt ins Pfeifenwerk des Hauptwerks und des Pedals fallen. Der langjährige Pfarrer Bertram Möhren ließ die größten Schäden bald beseitigen.

 


 

Erste Überlegungen zur Restaurierung

Der Holzwurmbefall war bereits in den 70er Jahren Anlass, um über eine grundlegende Renovierung der Orgel nachzudenken. 1975 schrieb die Orgelbaufirma Klais, dass eine Imprägnierung unbedingt notwendig sei. Nachdem sich die Pfarrei nicht dazu entschließen konnte, schrieb Pfarrer Otto Berberich im Mai 1977 an den Trierer Domorganisten Wolfgang Oehms: «Im Zuge einer Kirchenrenovierung denkt unsere Kirchengemeinde an eine große Überarbeitung bzw. Neuanschaffung der Orgel.» Am 20. Juni 1977 untersuchte der Domorganist die Orgel und schrieb in seinem Gutachten u.a.: „Die Orgel ist technisch in gutem Zustand, die Prinzipale sind jedoch stumpf und ermüdend. Eine elektrische Traktur ist abzulehnen, besser wäre eine mechanische Schleiflade mit übernommenen Registern.“

 

Die Firma Klais bot im Dezember 1977 einen Umbau und eine Ergänzung der Orgel an, um darauf auch barocke Literatur spielen zu können. Die fünfundzwanzig Register, davon fünf neue sollten in eine neue mechanische Schleifladenorgel mit zwei Manualen eingebaut werden, das Pedalwerk sollte hinter dem Manualwerk zu stehen kommen. Vorgesehen waren neue Zinnpfeifen für den Prospekt, ein erweiterter  Tastenumfang, als neue Register sollten dazukommen: Sesquialter 2 2/3’ 2f, Cornetmixtur 1’, Oboe 8’, Tenoroktave 4’, Piffaro 2f 2’ , Posaune 16’. Außerdem sollte das Register Dolce 8’ im zweiten Manual schwebend gestimmt werden. Pfarrer Berberich und der Verwaltungsrat lehnten diesen Vorschlag jedoch aus finanziellen Gründen ab.

 

Als die Pfarrkirche 1977 nach sechsmonatiger Renovierung am 24. Dezember wieder geöffnet wurde, schrieb Pfarrer Berberich in einem Brief an die Gemeinde: „Der Aufgang zur Orgel und die Orgel selbst warten noch auf eine neue farbliche Gestaltung. Leider fehlt uns das Geld zu einer neuen Orgel, was von Musikliebhabern als dringend notwendig bezeichnet wird, doch – kommt Zeit, kommt Rat!“

Vier Jahre später, im September 1981 wies die Orgelbaufirma erneut darauf hin, dass die Verschmutzung immer stärker wird und eine Reinigung dringend erforderlich ist. Daraufhin ließ Pfarrer Veit, der seit 1980 die Pfarrei betreute, Kostenvoranschläge über eine Reinigung und Instandsetzung von vier Orgelbaufirmen einholen (Orgelbau Klein, Orgelbau Oehms, Orgelbau Seifert und Orgelbau Walcker). Die Vorschläge reichten von einer notdürftigen Reinigung für 4.700,- DM bis hin zum Orgelneubau in Höhe von etwa 180.000 DM. Auf einer Sitzung des Kirchenvorstandes unter Pastor Veit am 14. Juli 1982 wurde eine Renovierung der Orgel abgelehnt, an einen Orgelneubau sei überhaupt nicht zu denken.

 

Der Verfall der Orgel war jedoch nicht aufzuhalten. 1984 schrieb die Orgelbaufirma Klais wiederum: „Wir haben bei der Wartung starken Holzwurmbefall an den Pedaltasten festgestellt, eine Reinigung ist weiterhin dringend erforderlich.“ Der Druck, dringend etwas zu unternehmen, veranlasste den Verwaltungsrat nun, neue Angebote einzuholen. Organist Willi Zimmermann listete in seinem Brief vom 15. November 1984 die Mängel auf: „Gebläse schlecht, Windkanäle undicht, starker Holzwurmbefall, schadhafte Membranen.“ Er empfiehlt einen elektrischen Spieltisch oder – eine ganz neue Orgel!

 

Im März 1985 führte die Orgelbaufirma Oehms, die das preisgünstigste Angebot eingereicht hatte, folgende Arbeiten aus: Alle Pfeifen wurden gereinigt, die Orgel von Staub befreit, die pneumatische Traktur überprüft, schadhafte Membranen ersetzt, die Orgel imprägniert, die verfaulte Rückwand durch eine neue ersetzt und ein neues elektrisches Gebläse eingebaut. Außerdem ging der Pflege- und Stimmvertrag von Klais auf die Orgelbaufirma Oehms aus Trier über.

 

Ab 1993 wartete die Westerwälder Orgelbaufirma Klein die Orgel.

 

Ein neuer Pfarrer – ein neuer Anlauf

Bald nach seiner Einführung als Pfarrer von Waldbreitbach nahm sich Pastor Hermann Helmig als musikalisch vielseitig interessierter des Orgelprojektes an. Am 26. März 1996 begutachtete Domorganist Josef Still die Orgel und schrieb in seinem Bericht u.a.: „Die Orgel stellt ein Orgeldenkmal von hohem Wert dar. Faszinierend ist der bezaubernde romantische Klang der Orgel. Für die wertvolle Orgel in Waldbreitbach kann nur eine sorgfältige und umfassende Restaurierung nach strengen denkmalhistorischen Gesichtspunkten in Frage kommen.“

 

Am 3. Dezember 2001 schrieb der Orgelsachverständige des Landesamtes für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Friedrich W. Riedel in seinem Aktenvermerk: „Es handelt sich hier um eine wertvolle Denkmalorgel aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Sie ist in ihrer Originalsubstanz erhalten, allerdings durch mangelhafte Pflege und unsachgemäße Behandlung in einen sehr desolaten Zustand geraten. Eine nach strengen denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchzuführende Restaurierung ist dringend erforderlich.“

 

Die folgende Zeit war geprägt durch intensives Suchen nach geeigneten Orgelbaufirmen, verschiedene Orgelfahrten zu Instrumenten dieser Zeit und dem Sammeln von Spenden. Währenddessen setzte der Holzwurmbefall der Orgel immer stärker zu, im Sommer 2003 war sogar eine Pedaltaste aufgrund der vielen Löcher durchgebrochen. Die Zeit drängte also.

 

Nachdem fünf Orgelbaufirmen ihre Angebote abgegeben hatten, wurde im Juni 2004 nach eingehender Beratung im Verwaltungsrat der Restaurierungsauftrag an die Erbauerfirma Klais in Bonn vergeben.

 

Die Disposition der Orgel vor der Restaurierung 2006 lautete:

 

Hauptwerk (C-f3)
Bourdon 16’ gedeckt, Fichte, c2-f3 gedeckt Metall
Prinzipal  8’ C-a0 Prospekt Zinkpfeifen
Oktave 4’ C-Gis Prospekt Zink, ab  A Zinn
Hohlflöte 8’ C-h0 offen, Fichte, ab c’ Metall
Gemshorn 8’ C-B offen, Fichte, H aus Zink,

c0-f3 original aus Zinn

Gamba  8’ C-f3 Zink, viele Pfeifen stark beschädigt
Violine 4’ Metall
Superoktave 2’ original, C-f3 Zinn
Mixtur 3-4f 2 2/3’ original aus Zinn
Trompete 8’ original, volle Becherlänge, Becher aus Zinn
Unterwerk (C-f3)
Geigenprinzipal 8’ C-H Zink
Salicional 8’ C-H Zink, ab c0 Zinn
Dolce 8’ C-H Zink, ab c0 Zinn
Lieblich Gedackt  8’ C-H Fichte, ab c’ Zinn, ab fis3 konisch offen
Traversflöte 4’ C-h0 Fichte, ab c’ Zinn konisch überblasend
Pedal (C-d1)
Subbass 16’ Fichte
Oktavbass 8’ Fichte
Violoncello 8’ Zink
Tuba 16’ Fichte

Koppeln:

II-I, I, II-P

Feste Kombinationen:

Piano, Forte, Tutti

 

Die Gehäusebekrönungen

Die Rekonstruktion der Gehäusebekrönungen gestaltete sich als spannende Suche. Wie mehrere Gemeindemitglieder übereinstimmend bestätigten, hatte die Orgel in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg verschiedene Ornamente auf dem Gehäuse. Der langjährige Verbandsgemeindebürgermeister Herr Schicker, der seit frühester Jugend eng mit Kirche und Orgel verbunden ist, konnte sich trotz des zeitlichen Abstandes von über fünfzig(!) Jahren noch gut an diese Bekrönungen erinnern und fertigte sogar eine Zeichnung im Maßstab 1:25 an. Diese wurde mit Bildern von erhaltenen Klais-Orgeln aus der Zeit der Jahrhundertwende verglichen. Eine intensive Suche nach einen Foto der Orgel blieb leider erfolglos. Das älteste Bild stammt aus dem Jahr 1956, damals waren die Gehäusebekrönungen bereits verschwunden.

Der Restaurator versuchte nun, aus diesen verschiedenen Informationen eine schlüssige Lösung zu finden und entwarf die jetzt angebrachten, neu geschnitzten Bekrönungen, die in Größe und Form in gelungener Proportion zum Orgelgehäuse stehen.

 

Die Farbe des Orgelgehäuses

Viele Gemeindemitglieder berichteten, die Farbe des Gehäuses wäre früher heller gewesen. So begann die Suche nach originalen Dokumenten, außerdem wurde eine Farbuntersuchung vorgenommen. Nach einem Ortstermin mit dem Verwaltungsrat wurde dann festgelegt, die dunkle äußere Schicht zu entfernen und den darunter erhaltenen natürlichen dunklen Eiche-Ton wieder zum Vorschein kommen zu lassen. So präsentiert sich das Orgelgehäuse wieder in einer ansprechenden und edlen Form.

 

 

 

Peter Uhl

 

Mit freundlicher Erlaubnis des Autors haben wir den Artikel
aus der Festschrift zur Einweihung der restaurierten Orgel übernommen.