Übersicht

Franck à Bruges – oder Franck uit Brugge?

Francks große Orgelwerke aus Brügge mit Ignace Michiels

_klais/bilder/fotos/Artikel/Brugge_Kathedraal/Brugge-cd2-front.jpg

 

Angekündigt war sie ja schon, die Einspielung der zwölf großen Orgelwerke César Francks durch Ignace Michiels an "seiner" Orgel in der Salvator-Kathedrale zu Brügge. Nun ist sie fertig und wird ab Anfang Februar '25 im Handel und in den üblichen Streaming- und Download-Portalen verfügbar sein.

 

Wie gewohnt überzeugt Michiels' souveränes Spiel. Hier erlebt man Franck sozusagen pur, ohne vordergründige Schau, ohne übertriebene Agogik, spannungsgeladen in den dramatischeren Abschnitten, ganz verinnerlicht in den leisen Passagen. Ein Franck zum Eintauchen und Mitfühlen.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Brugge_Kathedraal/Brugge-cd2-back.jpg

 

Das Beiheft bietet neben Bild und Disposition der Orgel einen informativen Artikel zu Francks Orgelschaffen von Jan Christiaens. Künstler-Biografie und Beschreibung der Geschichte der Orgel fehlen, finden sich aber leicht im Netz.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Brugge_Kathedraal/Brugge-cd2-artist.jpg

 

Zum Schluss bleibt die Frage, warum im dichten Wald der Franck-Einspielungen an Cavaillé-Coll-Orgeln jetzt eine aus Brügge – an einer Orgel aus Deutschland? Nun, Franck gilt zwar als Vater der französischen Orgelsymphonik, aber so französisch, wie ihn die Franzosen vielleicht gerne hätten, war er eigentlich nicht. Als Franck 1822 in Lüttich geboren wurde, war die Stadt Teil des Königreichs der Niederlande. Erst 1830 entstand aus den südlichen Provinzen der Niederlande der neue Staat Belgien. Francks Mutter stammte aus Aachen, sein Vater aus dem zwar damals niederländischen aber deutsch-sprachigen Gemmenich. Erst kurz vor Césars Geburt zog das Paar ins königlich-niederländische und französisch-sprachige Lüttich. 1836, als César 14, unterdessen Belgier war und schon seit 5 Jahren Student am Lütticher Conservatoire war, zog die Familie nach Paris. Über die kulturelle Sozialisierung des jungen César gibt die einschlägige Literatur nicht viel her. Aber es dürfte wohl gesichert sein, dass ihm die deutsch geprägte Kultur des Dreiländerecks aus seinem Elternhaus geläufig war.

 

Sicher wird niemand Franck als deutschen oder niederländischen Komponisten reklamieren wollen. Aber vielleicht reicht dies als Rechtfertigung für ein wenig Neugier auf die vorliegende Aufnahme. Wer sie einmal gehört hat, möchte sie ohnehin nicht mehr missen.