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Bonns älteste Königin neu bekrönt

zur Restaurierung der Sonreck-Orgel der Röttgener Venantiuskapelle

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nach der Restaurierung

Als die älteste in wesentlichen Teilen erhaltene Orgel der Stadt Bonn ist die Röttgener Sonreckorgel vielen Orgelliebhabern ein Begriff. Tatsächlich bot das Instrument dem Betrachter beim Abbau im Jahre 2021 ein eher trauriges Bild. In die Ecke gestellt, völlig verdreckt, der gesamte obere Abschluss entfernt, so haben wir das Instrument angetroffen. Die „enthauptete“ und seit vielen Jahren schweigende Orgel, ein Patient für die Intensivstation. Kaum vorstellbar, dass es sich hierbei um eines der am besten erhaltenen Werke des berühmten Sonreck handeln sollte, der seinerzeit immerhin die Orgel des Kölner Doms erbaut hatte.

 

Schon beim Abbau des Instrumentes wurde jedes Detail, bis zur kleinsten Schraube mit Nummern und Ziffern versehen, um gerade die technischen Details zu erhalten, die bei vergleichbaren anderen Instrumenten dieses Instrumententyps gerne einmal durch moderne Materialien ersetzt wurden.

 

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vor der Restaurierung im Seitenjoch der Empore

Nach einer Sichtung der Bestandteile in der Bonner Werkstatt wurde schnell klar: das Röttgener Instrument ist etwas ganz Besonderes. Die archivalischen Daten konnten insofern bestätigt werden, als auf eine der Innentüren eine Inschrift gefunden werden konnte: „Diese Orgel wurde im Jahr 1875 von dem Orgelbauer Sonreck aus Köln aufgestellt. Dieselbe wurde von dem Gutsbesitzer Chrysanth Haag in die hiesige Kapelle geschenkt. Soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt fon oben.“

 

Alle windführenden Teile der Orgel wurde zudem mit Zeitungspapieren der Kölnischen Volkszeitung ausgarniert, die zweifelsfrei auf die Zeit von 1873/74 datiert werden konnte.

 

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in der Windlade

Ursprünglich stand das kleine Instrument an der Westseite der Kapelle auf einer heute nicht mehr vorhandenen Empore. Beim westseitigen Ausbau der Kapelle, die Kapelle wurde nun doppelt so groß, wurde das Instrument etwas unsanft auf die Seite verfrachtet, um möglichst vielen Besuchern einen freien Blick Richtung Altar zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Prospektpfeifen aus Zinn schon nicht mehr vorhanden, diese mussten zu Rüstungszwecken 1917 abgegeben werden.

 

Die inzwischen zur Pfarrkirche avancierte Kapelle wurde nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund des Anwachsens der Ortschaft endgültig zu klein, und so kam es 1968 zum Bau einer neuen Pfarrkirche samt Pfarrzentrum.  Ein Umstand, der dazu beitrug, dass die Venantiuskirche samt ihrer historischen Orgel langsam in Vergessenheit gerieten. Zur Begleitung der Liturgie schaffte man sich ein günstiges Gebrauchtinstrument an, um die Sonreckorgel wurde es still.

 

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frisch bekrönt und mit neuen Prospektpfeifen

Das Instrument wurde als einfache Schrankorgel angelegt. Im Unterbau befindet sich der Schöpfbalg mit Magazin. Die Orgel ist seitenspielig, somit wird die Traktur über einen liegenden Wellenrahmen zu Windlade geführt. Das Kranzgesims stimmt in etwa mit der Lage der Windlade überein. Die Registertraktur greift über dem Notenpult direkt auf die Schleifen der Windlade. Das Pedal ist fest an die Basstöne des Manuals angehängt.

 

Der hohe Erhaltungsgrad des Instrumentes legte für alle weiteren Arbeiten eine möglichst schonende und konservierende Vorgehensweise nahe. Zunächst wurden alle Einzelteile bis hin zu Schrauben oder den kleinsten Leitstiften gereinigt. Da eine komplette Neubelederung aller windführenden Teile aufgrund der Mazeration des Bestandsmaterials unumgänglich war, mussten die Windlade, die Bälge und Teile des Kanalsystems vollständig von Altmaterialien befreit werden. Die Papierungen wurden belassen und nur an den Stellen, wo Verluste festzustellen waren ergänzt. Die Windlade war mehrfach gerissen und musste ausgespänt und anschließend von Hand geschlichtet werden.

 

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seitliche Spielanlage und neuer alter Subbass

Große Teile der Trakturen waren erhalten und konnten instandgesetzt werden. Die Klaviaturen waren ebenfalls erhalten und besaßen noch ihre originalen Beläge. Auch hier wurde alles lediglich instandgesetzt und im Prinzip erhalten. Einzelne abgenutzte Beläge wurden gewendet und die Unterseiten mit einem Füllstoff aus Kreide und Warmleim aufgefüllt.

 

Das Pfeifenwerk war im Groben und Ganzen fast unverändert erhalten geblieben. Hier wurden einige aus jüngerer Zeit stammende unpassende Zubauten entfernt und passend ergänzt. Die 1917 eingesetzten Ersatzpfeifen aus Zink wurden durch Rekonstruktionen ersetzt. Hierbei wurde auch der veränderte Verlauf der Pfeifenfelder korrigiert. Die Labien wurden nach den original erhaltenen Pfeifen der Sonreckorgel in Saalhausen als Plattenlabien angelegt.

 

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die restaurierte Spielanlage

Die zuletzt veränderte Windversorgung konnte wieder auf den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Sonreck wog den Orgelwind mit einem kleinen Regulator kurz vor Eintritt in die Windlade ab. Der Orgelwind kann heute wahlweise per Hand oder mittels eines neuen Ventilators erzeugt werden.

 

Der vom Auftraggeber gewünschte Zubau eines Subbass 16' wurde hinter der Orgel realisiert. Die schon vorhandene Pedalklaviatur samt Koppelanlage wurde mit einem Abzweig versehen. Die neu angefertigte Pedallade und die Trakturen sind an die Bauweise des Bestandes angelehnt. Für das Pedales konnten wir auf ein Register aus unserem Werkstattbestand zugreifen, das aus der Bauzeit der Röttgener Orgel stammt. Die vorgefundene Stimmtonhöhe von a = 442 Hz bei 18° wurde beibehalten. Der Winddruck wurde auf 65 mm eingerichtet.

 

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rechts der Regulatorbalg oberhalb der Registerzüge

Für den oberen Teil des Prospektes waren wenige Anhaltspunkte vorhanden. Der Röttgener Prospekt folgt einigen Musterprospekten des 19. Jahrhunderts, an denen wir uns bei der Rekonstruktion orientieren konnten.

 

Das schwarz getünchte Gehäuse wurde von uns abgebeizt, und die ursprüngliche rötlich gebeizte Holzoberfläche kam zum Vorschein, die wir ergänzten und anschließend mit Wachs behandelten. Reste einer Wachsfirniss fanden sich quasi als Trennschicht zwischen ursprünglicher Fassung und der jüngeren schwarzen Fassung.

 

Die Röttgener Sonreckorgel ist ein charmantes Beispiel für eine kleine Kapellen- oder Seminarorgel. Interessant ist der Klangaufbau mit einigen typischen rheinischen Registern, wie etwa der Fernflöte und dem Cornet bei einer relativ überschaubare Registeranzahl.

 

Hier finden Sie den vollständigen Restaurierungsbericht (pdf).