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Weniger ist mehr

Zur Einweihung der neuen Orgel in Amberg, St. Georg

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_01.jpgEinweihung am 26.4.2026

Die Orgelgeschichte der Amberger Georgskirche reicht zurück bis in die Gotik. Doch davon hat außer spärlichen Archivalien und der üblichen zugemauerten Wandöffnung des Zugangs zur Schwalbennestempore nichts die Jahrhunderte überdauert. Die Geschichte der heute sichtbaren Orgel beginnt mit dem Abschluss der Barockisierung, als im Jahr 1767 die Brüder Johann Konrad und Johann Adam Funtsch eine neue Orgel mit 22 Registern auf der oberen Empore bauten. Ursprünglich aus Bergrothenfeld am Main stammend, war die Familie seit 1722 in Amberg ansässig.

 

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Die Kirche wurde seit 1629 von den Jesuiten genutzt. Nach der Auflösung des Ordens 1773 fiel sie in einen Dornröschenschlaf bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Eine erste Reparatur der Orgel erfolgt 1827 durch Wilhelm Hepp, der die Werkstatt Funtsch 1796 übernommen hatte. Eine weitere Reparatur führte 1841/42 Hepps Nachfolger Friedrich Specht durch. 1895 wird die Orgel vom Amberger Orgelbauer Benedikt Waller gereinigt.

 

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Ein Gutachten des Deggendorfer Orgelbauers Ludwig Edenhofer jun. stellt 1902 fest: "Diese Orgel wurde erbaut im Jahre 1767 von Gebrüder Funtsch in Amberg, wurde in einem Zeitraum von 135 Jahren öfters reparirt, in letzter Zeit richtig gesagt geflickt und ist in einem derart heruntergekommenen Zustande, daß ein musikalischer Vortrag unmöglich und trotz der äußerst günstig akustischen Verhältniße ist der Eindruck der mittelst der einzelnen Register oder durch das ganze Werk erzeugten Töne ein durchaus unmusikalischer und Abscheu erregender."

 

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Auch die Beurteilung der Klangeigenschaften fallen derart negativ aus, dass man sich zum Neubau entschließt. 1903 Wird das neue und moderne Werk Edenhofers im historischen Gehäuse fertiggestellt mit nun 14 statt ursprünglich 22 Registern. Dafür von den 11 Manualregistern allein fünf in 8'- und eines in 16'-Lage. Das neue Werk entsprach qualitativ nicht ganz den Erwartungen und war für den großen Raum der Georgskirche deutlich unterdimensioniert.

 

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1941 erweitert Michael Weise aus Plattling die Orgel von schmalen 14 Registern auf üppige 31. Ein Schwellwerk wird im Emporenhintergrund aufgestellt, der Rest zwängt sich in und hinter das historische Gehäuse. Konsequenterweise konstatiert das Abnahmegutachten "Mangel an Raum".

 

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1961 erfolgt eine nochmalige Erweiterung auf 34 Register nebst Umarbeitung weiterer übernommener Pfeifen. Man freut sich über den "Klang einer richtigen Barockorgel" – von der kaum mehr als das Gehäuse erhalten blieb. Schon bald zeigt sich, dass hier Pfeifenwerk eine richtige Barockorgel formen sollte, das diesem Anspruch in keiner Weise gerecht werden wollte und konnte.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_07.jpgim Hauptwerk …

1981 kam es dann zum großen Neubau. Nun quetschen sich 48 Register in und um das Funtsch-Gehäuse. So wirklich glücklich ist damit vom ersten Tag an niemand. Schon elf Jahre nach der Fertigstellung rät ein Gutachten von weiteren Investitionen in Besserungsversuche ab. Dennoch wird 1998/99 investiert und eine leichte Verbesserung erreicht. Dem Grundübel kann natürlich nicht abgeholfen werden: zu viel Orgel in zuwenig Gehäuse. Die daraus resultierende Konsequenz muss aber erst noch sacken.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_08.JPG… diesmal mit ausreichend Platz

2022 wird der Vertrag zum Neubau mit unserer Werkstatt geschlossen. Die Maßgaben des Sachverständigen waren die Basis für das neue Konzept: unbedingte Respektierung der Platzverhältnisse des historischen Gehäuses und Rückkehr zu einer dem Gehäuse entsprechenden Klanglichkeit. So umfasst das jetzt verwirklichte Konzept "nur" 34 Register, davon allerdings nur die 14 Register des Hauptwerkes im historischen Gehäuse. Hinterwerk und Pedal teilen sich ein großzügiges Gehäuse "in zweiter Reihe".

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_09.jpgStimmgang mit Hauptwerk

Das hintere Gehäuse ragt nicht über die Abmessungen des Funtsch-Gehäuses hinaus. Durch den Blickwinkel aus dem Kirchenschiff hinauf zur oberen Empore bleibt es völlig unsichtbar. Alle Details, nicht nur die von außen sichtbaren, nehmen nun Bezug auf die Stilistik der Erbauungszeit, ohne eine Stilkopie sein zu wollen.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_10.JPGHinterwerk über dem Pedal

Auf längere Sicht soll die Hauptorgel durch eine umfangreiche Chororgel im Oratorium der Nordseite des Chores ergänzt werden. Die soll dann all das können, was eine von Funtsch inspirierte Hauptorgel weder können will noch können kann.

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_11.jpgder Cimbelstern auf dem Dach

Die Einweihung der Hauptorgel erfolgte am 26. April 2026 mit Prof. Martin Sturm an den Tasten. Seine Programmauswahl und Darbietung strafte oben genannte Einschränkung prompt Lügen. Was doch ein wenig Platz im Gehäuse ausmachen kann…

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_12.jpgdie Nachtigall mit der Nachtigall

zur Disposition…

 

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_13.jpgdas ganze Team, Orgelbauer und Organist des Einweihungskonzertes

_klais/bilder/fotos/Artikel/Amberg_Georg/Amberg_Georg_14.JPGspektakulärer Blick in spektakuläre Kirche